Eine Mensch steht vor einer viel zu kleinen Tür.

In einigen spirituellen und religiösen Lehren ist ein wichtiges Ziel, die Vergangenheit und die Zukunft loszulassen und nur im Jetzt und Hier zu leben. Ist das in den Zeiten, in denen wir gerade leben, eine gute Methode? Oder sollte man anders mit Lockdown, Unsicherheiten über die Zukunft und ständigen Veränderungen umgehen?

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Dieses wird erst mal der letzte Beitrag auf diesem Blog sein. Ich habe in den letzten eineinhalb Jahren so viele Fragen gestellt und so viele Themen angesprochen und für mich fühlt es sich erst mal rund an und ich denke, dass man auch erst mal gar nicht so viele neue Fragen stellen kann. Deshalb möchte ich den Podcast und die Blogbeiträge erst mal beenden. Vielleicht werde ich zu anderen Themen mal etwas schreiben, je nachdem, was sich ergibt. Vielleicht habe ich noch eine neue Idee, aber im Moment habe ich das Gefühl, dass dieser Abschnitt vorbei ist.

Aber heute habe ich noch eine Frage von Braño: Darf man auch in diesen Zeiten die Kontrolle über die Zukunft, die Fantasien und Pläne loslassen? Ist es in Ordnung, sich ganz auf das Jetzt zu konzentrieren, es zu genießen und authentisch Tag für Tag das Aktuelle in der Welt, die Gesundheit und die eigene Finanzlage radikal zu akzeptieren? Darf man das, was die Gesellschaft uns beigebracht hat – Sicherheiten, Zukunft – einfach loslassen? Ich habe bemerkt, wenn ich versuche, in Zeiten wie diesen so zu leben, geht es mir besser und ich kann besser auf mich achten, arbeiten, schlafen, mich freuen. Aber ist das in Ordnung oder bekommt man später im Alter die Rechnung, weil man so gelebt hat, wie man dachte, dass es gerade im Moment gut ist? Ich springe da immer von einer Einstellung zur anderen und würde gerne wissen, was die Seelen mir raten können.

Ich: Gerade im spirituellen Bereich oder auch im Buddhismus geht es ja immer viel um das Loslassen, die Zukunft und die Vergangenheit loslassen und sich nur auf das Jetzt und Hier konzentrieren. Das ist eine gute Frage, ob das auch in solchen Zeiten wie jetzt funktioniert. Oder ist es eher ungünstig und gibt es andere Möglichkeiten? Was ist sinnvoll: wirklich nur im Jetzt und Hier leben? Oder doch versuchen, die Zukunft zu planen? Liebe Spirits, was sagt ihr dazu?

Sie zeigen bildhaft, dass es verschiedene Typen von Menschen gibt: Eine Person, die ganz geradlinig ist und alles genau einteilt und ganz weit in die Zukunft plant. Dann gibt es wiederum Menschen, die sehr spontan sind und wirklich mehr im Moment leben und spontane Entscheidungen treffen.

Ich: Okay, aber was ist in der momentanen Situation mit Corona und Lockdowns angebrachter?

Spirit: Man kann ganz weit in die Zukunft planen, aber im Moment werden Pläne oft schneller als normal verworfen. Wenn man damit leben kann, dass man immer wieder neue Pläne machen muss, weil die alten zerstört wurden, kann man natürlich trotzdem so weitermachen. Aber es kostet dann auch Energie. Jemandem, der im Vergleich dazu sehr spontan handelt und wenige Pläne macht, fehlt vielleicht etwas Stabilität, denn ein Plan gibt auch Stabilität im Leben. Wenn man ein Mensch ist, der sich gerne an etwas festhält, ist eine Entscheidung allein aus Spontanität heraus zu wenig. Das sind jetzt zwei extreme Beispiele von zwei Polen sozusagen, wie warm und kalt, Yin und Yang etc. Aber es gibt ja auch Mittelwege. Man kann ja Pläne machen, aber im Moment vielleicht nicht so weit in die Zukunft. Statt für Jahre im Voraus sollte man eher für einige Monate bis ein Jahr im Voraus planen. Und man sollte dabei trotzdem offen bleiben, um spontan etwas an diesen Plänen ändern zu können. Wenn man fünf Jahre im Voraus plant, ist man sehr starr und festgelegt, aber wenn man sehr spontan ist, ist es, als ob man in der Luft schwebt und keine Erdung hat. Man ist nicht so verwurzelt. Dann können einen die Ereignisse auch schnell mal hin- und hertreiben, so dass man am Ende gar nicht mehr weiß, was man will und was man als nächstes entscheiden soll. Ideal ist eigentlich, wie ein Baum zu sein, so dass man auf der einen Seite verwurzelt ist und auf der anderen Seite biegsam, so dass man sich mit dem Wind mit wiegen kann, und nicht wie ein starrer Turm, der umkipppt, wenn ein Sturm kommt. Die beste Strategie in der Natur war schon immer, dass man einen roten Faden,  Erdung und bestimmte Prinzipien hat, nach denen man lebt, und dass man die eigenen Erfahrungen auch mit einbezieht. Und gleichzeitig sollte man auch flexibel bleiben.

Sie zeigen das nun wieder in bewegten Bildern: Ich sehe eine Person, die ein Ziel vor Augen hat, einen Weg entlang gehen. Aber wenn sich etwas in den Weg stellt, geht sie halt drum herum. Sie bleibt nicht stehen oder dreht auch nicht um, sondern ändert den Weg ein bisschen ab. Die Person geht nun einen Umweg, kommt aber doch an. In einer anderen Variante entdeckt die Person etwas Neues und geht einen neuen Weg. Man sieht daran, dass es hilfreich ist, wenn man zumindest eine Richtung im Kopf hat, in die man gehen möchte. Vollkommen losgelöst von allem würde die Person wegfliegen, wenn ein Sturm bzw. ein Konflikt kommen würde.

Ich: Aber im Buddhismus ist es doch so – wenn ich das richtig verstanden habe – dass es immer darum geht, möglichst viel loszulassen und mit seinem Bewusstsein im Jetzt und Hier zu leben. Hat das nicht doch Vorteile? Sonst würde es doch nicht im Buddhismus gelehrt werden?

Spirit: Man muss unterscheiden zwischen eurem Alltagsleben und dem Leben als Mönch oder Ähnliches. Man kann das natürlich so praktizieren. Wenn man jeden Tag meditiert und Übungen dazu macht und ein anderes Leben lebt als die meisten Menschen, dann ist es einfacher, das zu praktizieren. Einfach alles loszulassen, ist möglich. Man muss das aber auch wollen, es ist ein richtiger Lebensweg. Man kann das nicht mal eben aus dem Buddhismus oder Ähnlichem heraus schneiden und es einfach so in das eigene Alltagsleben einbauen, sondern es ist ein kompletter Lebensweg, den man so geht. Man muss es wirklich verinnerlichen und sich von morgens bis abends damit auseinander setzen und irgendwann erreicht man diesen Zustand des Loslassens und im Jetzt und Hier sein. Aber wenn es um euer alltägliches Leben geht, das die meisten von euch in Deutschland führen, lässt sich das nicht so einfach realisieren. Ihr habt Jobs, Familie, Kinder, Verpflichtungen, Steuererklärungen etc. Da funktioniert das nicht hundertprozentig. Es ist sehr schwierig umzusetzen, vor allem nicht mal so eben. Man müsste mal für eine Weile in einem buddhistischen Kloster oder Ähnlichem leben, so dass man das für einige Monate oder Jahre verinnerlichen kann. Dann kann man es in das „normale“ Alltagsleben übertragen. Aber so ist es sehr schwierig. Wenn man das unbedingt möchte, kann man das tun. Aber dann muss man auch seinen bisherigen Lebensstil aufgeben.

Ich: Und welche Vorteile hat es, dass man so lebt – im Jetzt und Hier?

Spirit: Man ist dann sehr stark mit dem Göttlichen bzw. dem Universum, oder wie du es nennen willst, verbunden. Das ist dann der Hauptinhalt des Lebens. Es ist die Frage, ob man das möchte.

Ich: Aber es gibt ja auch Achtsamkeits-Seminare, in denen man lernt, mehr im Jetzt und Hier zu sein, weil das ja doch entspannender sein soll.

Spirit: Ja, schon. Aber das ist wieder das Thema mit den zwei Polen: Ein Mensch sitzt im Kloster und meditiert, der andere hat einen vollen Terminkalender und hetzt den ganzen Tag von einem Termin zum anderen. Wenn man ein Achtsamkeits-Seminar besucht, springt man ja nicht plötzlich vom vollen Terminkalender ins Kloster, sondern pendelt sich irgendwo dazwischen ein, so dass das eigene Leben entspannter wird. Man hat also Pläne und Ziele und dadurch Stabilität und Erdung, aber man bleibt gleichzeitig flexibel, spontan und offen und versteift sich nicht zu sehr auf eine Richtung. Denn was tut man sonst, wenn etwas dazwischen kommt? Ohne Flexibilität kommt man dann nicht weiter.

Ich: Ich persönlich mache mir immer verschiedene Pläne. Ich habe immer Plan A, Plan B und Plan C und wenn Plan A nicht funktioniert, nehme ich halt Plan B oder C oder doch etwas ganz anderes. Aber zumindest habe ich eine Stabilität im Kopf, so dass ich das Gefühl habe: Wenn das Chaos kommt, weiß ich, in welche Richtung ich schnell handeln kann, so dass ich nicht ganz ohne etwas dastehe. Vielleicht bin ich dann gerade blockiert und mir fällt nichts ein, was ich tun kann, weil ich so überrascht bin.

Spirit: Das ist auch okay. Du bist dann ein relativ planvoller Mensch, auch wenn du mehrere Pläne hast. Es kann aber auch anstrengend sein, sich so viele Pläne zurechtzulegen und darüber nachzudenken. Das solltest du auch nicht übertreiben. Ein festerer Plan und ein lockerer Plan und den Rest der Spontanität zu überlassen, wäre entspannter.

Ich hoffe, dass diese Antwort Braño und auch anderen weitergeholfen hat. Wenn mir noch mal eine spannende Frage über den Weg laufen sollten, bei der ich denke, dass ich sie unbedingt veröffentlichen muss, dann werde ich das auch tun. Aber ich möchte jetzt erst mal keine regelmäßigen Termine dazu haben. Ich lasse das mal ganz spontan offen – ohne Plan … Während ich das schreibe, fällt mir auf, wie gut das zu unserem heutigen Thema passt!

Ich wünsche euch eine schöne Zeit und dass ihr, egal, wohin euer Weg euch führt, ihr gut durchs Leben kommt und euren Weg gut gehen könnt.

Wenn ihr noch eine Frage habt, schickt sie an mich und vielleicht veröffentliche ich dann noch mal einen Beitrag.

Ich bedanke mich bei den Spirits und Braño und verabschiede mich.

Planen oder nur im Jetzt und Hier leben – was ist in der Corona-Situation sinnvoll?

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