Eine Mischung aus Zeichen für Herz und Smiley

Eigentlich ist es ja einleuchtend, dass das Leben besser funktioniert, wenn man sich untereinander austauscht, anstatt Grenzen aufzubauen. Nur leider gelingt uns Menschen das oft nicht so recht. Es ist zumindest ausbaufähig, meint meine Gesprächspartnerin heute, und gibt uns Tipps, wie man das verbessern kann.

Ich sehe einen weiblichen Spirit, der sehr viel Schmuck am ganzen Körper trägt. Sie sitzt auf einem riesigen Blatt, so groß wie ein Sofa. Dieses Bild sieht aus wie manche Darstellungen asiatischer Gottheiten.

Sie zeigt von mir aus gesehen nach rechts – das ist eine ungewohnte Richtung. Dort verläuft von hier bis zum Horizont eine Grenze, die aus einem niedrigen Wall besteht. Der Spirit deutet mit einer Armbewegung an, dass diese Grenze überwunden wird. Hinter der Grenze ist eine blaue Fläche und es ist schwer zu erkennen, ob es Wasser oder Himmel ist.

Spirit: Euer Denken ist begrenzt. Überwindet eure Grenzen.

Ich: Worauf bezieht sich das?

Spirit: Es ist nicht das Weltall, es ist nicht das, was weit weg ist, sondern das, was direkt in eurer Nähe ist: andere Menschen.

Ich: Was sollen wir da verändern?

Spirit: Ihr baut Grenzen zwischen euch auf. Ihr grenzt euch ab. Ihr igelt euch ein. Ihr denkt, dass hohe Grenzen zwischen euch sind, aber sie sind ganz niedrig.

Ich schaue mir den Wall an und schätze seine Höhe auf 20 Zentimeter. Das ist natürlich nur eine metaphorische Darstellung, aber es fühlt sich niedrig an. Er ist leicht zu überwinden.

Ich: Aber Grenzen im gewissen Maß sind ja auch etwas Gutes. Zum Beispiel möchte ich nicht unbedingt, dass jeder einfach so in mein Haus kommen kann oder mir beim Sprechen zu dicht auf die Pelle rückt. Man braucht doch auch Privatsphäre.

Spirit: So meine ich das nicht. Es geht um eure Herzen. Ihr verschließt schnell eure Herzen und seid sehr vorsichtig und skeptisch, wen ihr hereinlasst und wem ihr Liebe gebt.

Ich: Ist das nicht von Mensch zu Mensch verschieden?

Spirit: Ja, das schon, aber generell gibt es zu viel Distanz.

Ich: Aber sowas kann man ja nicht erzwingen. So einfach geht das doch nicht.

Spirit: Wenn man das denkt, kann man jeden Versuch gleich lassen.

Ich: Na gut, wie sieht es aus, wenn man die Grenze seines Herzens mehr öffnet? Wie geht das?

Spirit: Ihr geht auf andere zu. Ihr gebt ihnen Wohlwollen und schenkt Fremden einen Vertrauensbonus.

Ich: Soll man das erst mal nur in Gedanken üben?

Spirit: Das kann man so machen, wie es sich ergibt. Den Gedanken müsse aber auch Taten folgen, deshalb bleibt nicht lange bei Gedanken, sonst hängt ihr dort fest.

Ich: Und was wird sich dadurch ändern? Warum sollte man das tun?

Spirit: Euer Leben wird viel schöner, es gibt mehr Freude, ihr werdet auch wohlwollender behandelt, ihr entspannt euch. Denn der Gedanke, dass andere Menschen nicht wohlwollend sind, ist eine große Stressquelle.

Ich: Ich kenne Menschen, die Angst hätten, ausgenutzt zu werden, wenn sie zu offen sind.

Spirit: Diese Menschen sollten in ihrer Psyche aufräumen und sich überlegen, an welcher Stelle sie sich selbst ausnutzen. Wenn du Wohlwollen in dir hast, auch dir selbst gegenüber, kann dich niemand ausnutzen. Dann entsteht gar nicht erst das Interesse, dich auszunutzen.

Ich: Was ist, wenn man sich nicht öffnet?

Spirit: Dann ist man isoliert und einsam.

Sie zeigt mir das Bild von einer Pflanze, die in einem schlecht beleuchteten Keller steht.

Spirit: Man ist wie diese Pflanze und wächst innerlich schlecht. Man entwickelt sich kaum weiter.

Ich: Das heißt im Umkehrschluss: Je mehr man sein Herz öffnet, umso mehr entwickelt man sich weiter?

Spirit: Ja. Die Welt besteht aus Kommunikation, dadurch ist alles im Fluss. Die wahre Kommunikation findet über das Herz statt, nicht über den Verstand und Worte. Diese Kommunikation bringt Austausch und Kreativität. Im Austausch funktioniert das Leben am besten.

Ich: Was kann man tun, wenn andere einen ausgrenzen?

Spirit: Steck nicht zu viel Energie rein und geh weiter.

Ich: Und wenn man dabei angegriffen wird, zum Beispiel durch Hate Speech im Internet oder bei rassistischen Angriffen?

Spirit: Dahinter stecken sehr starke negative Emotionen. Sie sind zerstörerisch. Erst mal muss man sich in Sicherheit bringen. Dann ist es eine große Herausforderung. Es bringt nichts, im Außen nach Schuld zu suchen. Die Angreifer kann man kaum ändern. Um das Weltliche kümmern sich Gerichte und Gesetze. Um deine Seele musst du dich selbst kümmern. Sie braucht liebevolle Zuwendung von dir selbst und von anderen.

Ich: Dann verschließt man doch automatisch sein Herz gegenüber solchen Menschen, oder? Mit denen will man doch keinen Austausch.

Spirit: Das wäre schon möglich. Eine seelisch sehr reife Person kann den Menschen vergeben und ihnen Liebe schenken wie Wasser einer halb vertrockneten Pflanze. Wenn die Pflanze, also das Herz des Angreifers, noch nicht ganz vertrocknet ist, kann sie sich erholen und dann kann ein Austausch stattfinden. Das wäre der Idealfall. Aber meistens geht bei dem Opfer erst mal viel kaputt. Das wäre noch ein eigenes Thema, es wird jetzt zu komplex. Aber das, was ich anfangs beschrieben habe, sorgt dafür, dass es gar nicht so weit kommt. Wenn die Menschen die Grenze ihrer Herzen öfter überwinden würden, würde so viel Hass gar nicht mehr entstehen. Auch wenn du denkst, dass es nur Kleinigkeiten sind, du veränderst etwas. Es ist wie mit dem Flügelschlag des Schmetterlings, der der das Wetter verändern kann. Macht es dich betroffen und hilflos, wenn du Grausames in den Nachrichten siehst, dann schenke doch zum Beispiel der Kassiererin im Supermarkt ein wohlwollendes und ehrlich gemeintes Lächeln. Natürlich helfen auch größere Aktionen, aber die Wirkung der Kleinigkeiten wird oft unterschätzt. Samen sind auch klein, können aber zu Bäumen werden.

Ich: Es gibt Menschen, die es mit der Nächstenliebe total übertreiben und am Ende erschöpft davon sind.

Spirit: Man muss gar nicht so viel im Leben verändern. Es geht hier nicht um Aufopferung, die übrigens auch nicht immer ehrlich von Herzen kommt. Es geht um eine ganz kleine, feine Schwingung. Stell dir am besten vor, dass dein Herz dem Herzen eines anderen Menschen zulächelt. Mehr nicht. Und dann schau, was sich in deinem Leben verändert.

Ich: Das ist ein schönes Bild für den Schluss. So ein Bild von einem lächelnden Herzen kann man sich ja auch zur Erinnerung in die Wohnung hängen.

Der Spirit lächelt.

Ich bedanke mich bei ihr und verabschiede mich.

Das können wir alle tun, damit Hass gar nicht erst entsteht

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