Dunkle Wolken ziehen über den Strand.

Covid-19, Lockdown, Klimawandel – wir sehen uns immer wieder Krisen ausgesetzt, die uns kollektiv als Gesellschaft und sogar gesamte Menschheit betreffen. Wie gehen wir damit um? Können wir uns in dieser Hinsicht noch weiterentwickeln? Die Spirits finden, dass die Reaktion auf Krisen in unserer Gesellschaft noch ausbaufähig ist , und teilen uns mit, welche entscheidende Fähigkeit wir mehr üben sollten, um in Zukunft besser damit umzugehen.

Hier gibt es den Artikel auch als Podcast:

Ich lasse die Spirits heute von sich aus erzählen, ohne eine bestimmte Frage zu stellen, und sie beginnen wieder mit bildhaften Szenen, die sie mir zeigen.

Die Spirits stellen verschiedenen Menschen dar, die Spaß haben und sich im Freien aufhalten, wo sie etwas unternehmen  und sich über das schöne Wetter freuen. Dann kommt eine Wasserwelle auf die Menschen zu. Dabei muss ich an die dritte Corona-Welle denken, ich weiß nicht, ob die Spirits das meinen. Die Menschen laufen jetzt davor weg. Die Welle kommt, rollt auf sie zu, aber rollt sich dann auch aus und  geht wieder zurück. Die Menschen sind dadurch in ihrer Freude gebremst worden. Sie setzen sich erst mal hin und machen eine Pause und erholen sich von diesem Schreck. Dann kommt noch mal eine Welle, aber diese kommt nicht bis ganz an die Menschen heran und geht auch wieder zurück. Aber ein bisschen Misstrauen bleibt bei den Menschen, sie kommen nicht wieder in die Stimmung, die sie am Anfang hatten.

Ich: Um was geht es da jetzt genau? Was wollt ihr damit sagen? Wofür steht diese Szene symbolisch?

Spirits: Das kann für die Corona-Zeit stehen, es kann aber auch für andere Krisen im Leben stehen. So eine Krise, die unvorhergesehen kommt, versetzt Menschen erst mal in Stress. Und wenn sie vorbeigeht, erholen sich die Menschen zwar allmählich, aber irgendetwas bleibt, ein Misstrauen oder eine Vorsicht. Das Ausgelassene, Fröhliche vom Anfang ist nicht mehr so stark präsent. Man ist vorsichtig und schaut sich um, dass nicht wieder so etwas kommt. Es verändert den Menschen.

Ich: Okay, das ist jetzt nicht so überraschend, aber wollt ihr noch mehr dazu sagen?

Spirits: Es kommt immer darauf an, wie man damit umgeht. Das hängt auch vom Typ ab. Es gibt Menschen, die sehr akribisch damit umgehen und alles genau analysieren, sich ganz viel aufschreiben, sich ganz genau anschauen, was passiert ist und wie es in ihrem Inneren aussieht. Es gibt Menschen, die ganz viel essen und es mehr wegschieben und verdrängen. Es gibt Menschen, die sehr ängstlich werden und dann vor fast allem Angst haben. Dann gibt es Menschen, die kämpferisch werden und sich auf den Kampf vorbereiten, wenn noch mal so etwas kommt. Und es gibt Menschen, die ihre kindliche Art bewahrt haben und einfach wieder so weitermachen wie vorher und wieder zurückfinden zu ihrer fröhlichen, ausgelassenen Art. Und so findet jeder seinen Weg, seine Art und Weise. Dadurch entsteht auch Vielfalt.

Ich: Aber im Moment sieht die Szene so aus, als ob da nicht so viel Zusammenarbeit vorhanden wäre. Jeder macht sein eigenes Ding.

Spirits: Es ist von Vorteil, wenn man sich miteinander verbindet und sich austauscht. Gleichzeitig ist aber nicht so viel Offenheit da, weil man die eigenen Methoden und den eigenen Weg hat und es irritiert, wenn andere einen anderen Weg haben, mit Krisen umzugehen. Deswegen versucht man, einem Austausch und einer Zusammenarbeit eher aus dem Weg zu gehen, vor allem der Verdrängungstyp. Der kindliche Typ ist nicht so analytisch, der akribische Typ schon eher. Er geht schon eher mal auf die anderen zu und fragt sie, wie sie damit umgehen. Der kämpferische Typ ist zu sehr mit seinen Gedanken beschäftigt, wie er sich beim nächsten Mal verteidigt. Eine Verbindung untereinander wäre nicht schlecht, um für solche kollektiven Krisen in Zukunft stärker gewappnet zu sein.

Dieses Bild ist ja sehr symbolisch und die Spirits zeigen nun, dass wenn sich alle an der Hand fassen würden, sie ja ein starker Verbund wären. Wenn die nächste Wellte kommt – hier ist es ja eine Wasserwelle – kann sie diesen Verbund viel schlechter wegschwemmen als einzelne Personen.

Spirit: Deshalb ist es so wichtig, sich miteinander zu verbinden und auszutauschen und die gegenseitigen Ressourcen zu nutzen. Anstatt zu sagen: „Der macht es falsch und ich mache es richtig“, sollte man lieber sagen: „Wie können wir das alles integrieren?“ Menschen sind nun mal unterschiedlich und das kann ja auch ein Vorteil sein.

Ich: Das ist so wie die kleinen Fische, die im Meer schwimmen. Einzeln haben sie überhaupt keine Chance, aber sie  tun sich dann zusammen zu einem großen Schwarm und dann sehen sie aus wie ein großer Fisch und werden dadurch nicht so schnell angegriffen.

Spirit: So ähnlich ist dieses Prinzip hier auch. Aber es geht nicht darum, alle gleich zu machen. Das ist der Unterschied zu dem Fisch-Schwarm. Da schwimmen alle auf die gleiche Art und Weise in die gleiche Richtung und sehen auch – zumindest für euch – alle gleich aus. Aber darum geht es bei den Menschen nicht. Es geht nicht darum, eine Vorgehensweise zu imitieren, also dass zum Beispiel alle den kämpferischen Typ imitieren und alle zu Kämpfern werden. Es geht auch nicht darum, dass alle zu Analytikern oder Verdrängern werden, sondern es geht um die Vielfalt.

Ich: Aber wie geht man denn dann aufeinander zu? Wie tauscht man sich aus?

Spirits: Des Erste ist Neugier, neugierig und interessiert sein an dem Anderen – im Sinne von der anderen Person, aber auch im Sinne von dem anderen Umgang mit Konflikten. Und einfach mal zuhören. Das ist ein ganz zentraler Punkt dabei, das Zuhören.

Ich habe auch schon öfter darüber nachgedacht, dass das eigentlich in unserer Gesellschaft viel zu kurz kommt. Wirklich zuhören tut eigentlich kaum jemand. Die meisten wollen über sich selbst sprechen und möchten gerne selbst im Mittelpunkt stehen, aber anderen zuzuhören, fällt Vielen schwer. Das ist so meine Beobachtung.

Spirit: Dieser Punkt ist so zentral, dass das die erste Übung überhaupt ist, die erst mal praktiziert werden sollte, wochen-, monate-, jahrelang. Daraus entsteht dann wieder etwas Neues. Man muss sich keine Strategien usw. überlegen, allein durch das Zuhören entstehen ganz viel Raum, Kreativität, Ideen und neue Lösungen. Einfach mal zuhören. Und wenn dann noch mal so eine Welle kommen sollte, weiß man, wer wo in welcher Position ist, weil man die anderen kennen gelernt hat. Man weiß, was die Stärken der anderen sind und dann ordnet sich alles automatisch.

Ich sehe in der Szene nun die kämpferische Person ganz vorne stehen, die analytische Person ist weiter hinten und rechnet etwas aus, die verdrängende Person steht im Zentrum, weil sie eine gewisse Schwerfälligkeit hat, aber dadurch auch alles zentrieren kann. Auf die kindliche Person wird im akuten Moment aufgepasst, sie sorgt dann für gute Stimmung, wenn die Krise vorbei ist. So hat jeder seine Position und das kann man spontan auf die Schnelle nur gut organisieren, wenn man schon vorher weiß, wer wie tickt. Durch das gegenseitige Zuhören weiß man, wer wo am besten steht.

Das ist der ganz starke Kern der Aussage der Spirits heute. Es fühlt sich gerade so rund an, dass da gar nichts mehr dazukommen muss. Es ist ja auch schon mal eine Aufgabe, das umzusetzen. Besser nur eine Aufgabe, die man angeht, als mehrere, bei denen man nicht weiß, wo man anfangen soll.

Ich: Ich fasse es mal zusammen: Es gibt immer wieder Krisen, die auf uns als Gesellschaft bzw. auf Gruppen zukommen, und dann ist es wichtig, dass man schon vorher die anderen der Gruppe kennt und dass man sich gegenseitig zuhört und weiß, wer welche Rolle gut spielen kann und wer welche Ressourcen hat und was im Ernstfall übernehmen kann. Dazu ist es wichtig, immer wieder zu üben, sich gegenseitig zuzuhören. Dabei fällt mir noch eine Frage ein: Wie kann man das Zuhören denn genau strukturieren? Gibt es eine Technik dafür?

Die Spirits zeigen jetzt eine Person, die spricht, während die anderen still und ruhig sitzen.

Spirit: Es kann nicht schaden, wenn die Zuhörer vorher meditieren, so dass sie runterkommen und die eigenen Gedanken beruhigen und loslassen können. Man kann sich beim Zuhören auch hinlegen bzw. in eine entspannte Position gehen, damit man wirklich dazu gebracht wird, zuzuhören und nicht etwas anderes nebenher zu machen oder nebenher zu denken.

Nun sehe ich, wie der Sprecher fertig ist mit sprechen und die Zuhörer aufschreiben, was er gesagt hat, ohne Wertung. Sie lassen einfach alles auf sich wirken, ohne einen Kommentar dazu abzugeben oder zu urteilen. Dann sehe ich eine Pinnwand, an der alle Notizen aufgehängt werden. Die wichtigsten Passagen werden markiert bzw. das, was einem interessant erscheint. Einzelne Schlüsselwörter kann man auf Kärtchen schreiben und dann auch wieder an eine Pinnwand hängen. Diese Wörter kann man dann als Inspiration für die Lösungsfindung verwenden. Dabei kann die ganze Gruppe ein Brainstorming machen und Wort-Igel zu den Schlüsselwörtern bilden. So können nun auch die Gedanken der anderen mit dazukommen. Das Ganze sollte auf ein bestimmtes Thema bezogen sein, für das man eine Lösung finden möchte.

Jetzt haben die Spirits also doch eine Technik verraten, obwohl sie gesagt, haben, es sollte erst mal nur beim Zuhören bleiben. Aber ich habe ja auch gefragt.

Spirits: Diese Technik ist dafür gedacht, wenn es um berufliche Dinge geht und darum, dass man Entscheidungen für andere treffen muss, für Politiker zum Beispiel. Aber in der Freizeit geht es darum, einfach mal nur zuzuhören, da muss man diese Technik nicht anwenden und kann es spielerischer, lockerer üben. Eine Person spricht und die anderen setzen sich entspannt hin und hören einfach nur zu.

Ich denke, das ist erst mal genug Information für heute. Es wäre schon sinnvoll, das Zuhören mehr in unserer Gesellschaft zu etablieren. Vielleicht kommt das ja eines Tages. Probiert es doch einfach mal in eurer Freizeit aus, zum Beispiel in eurem Freundeskreis. Wenn ihr dazu Erfahrung habt, könnt ihr darüber auch gerne in die Kommentare schreiben.

Ich bedanke mich bei den Spirits und verabschiede mich und wünsche euch eine gute Zeit bis April!

Was braucht unsere Gesellschaft für den besseren Umgang mit Krisen?

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